Sonntag, 14. Oktober 2012

Inventur

Ohne Ohren
bin ich geboren.
Hab weder Nase
noch Blase.
Ganz ohne Haut
bin ich gebaut.
Kaum Leber und Nieren
kann ich verlieren.
Denn zunächst
bin ich ein Text.

Claus Caraut

Freitag, 12. Oktober 2012

Medea

Du, Königstochter, lebtest frei,
begabt in dunkler Zauberei.
Der Drache gab das Vlies nicht her,
da kam dein Freier übers Meer,
Medea.

Du warst von Jason angetan
und botst ihm deine Hilfe an.
Der Drache tot, das Vlies geschnappt
hat Jason dich dann kidgenappt.
Medea

Als Paar wart ihr nun überfroh,
machtet ein Kind. Gut, noch eins... zwo,
und lebtet so in Frieden hin,
das war vom Ende der Beginn,
Medea.

Denn Königskind - hin oder her,
du warst ihm einst genug nicht mehr.
Nein, Kreons Tochter möcht der Schuft
auch Königskind, "Glauke" geruft.
Medea.

Und Jason freit das blöde Stück.
Du hältst dich jedoch brav zurück.
Schenkst nur der Hure einen Strauß
aus Plastiksprengstoff. "PENG!"

und Aus.
Medea.

Zurück daheim bleibt kalter Zorn.
Nimmst seine Kinder, Kimme, Korn,
und tötest sie, sein ganzes Glück.
Am Ende bleibst nur du zurück:
Medea.

Claus Caraut

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Die Kuh

Man hat mich seit Jahrhunderten gegessen.
Ich schmeck zu Pommes, Nudeln, Reis und Brei.
Mein Körper wird in Schnitzel-x gemessen.
Man isst mich selbst mit Rahmspinat und Ei.

Mein Euter bringt euch Käse, Joghurt, Sahne,
mein Knochen kommt in Gelatine rein.
Ihr seid so scharf auf fast alle Organe,
nur meine Galle findet ihr zum Spein.

Hingegen find ich euch nicht zu genießen.
Ihr schmeckt mir nicht und das ist gut und recht.
Jedoch hingegen würd ich euch gern sagen:

Ich weiß genau, dass wir euch stets verdrießen,
wir Wiederkäuer - Kuh und Hisch und Specht.
Es ist der Neid: Ihr habt nur einen Magen.

Claus Caraut

Exhumierte Uralt-Gedichte aus vierter Hand: "buhuhuhu scheiß liebesgedichtefuck" [sic]


(17. August 2007, 04:24 Uhr)

"Gähn!" Ich gähne.
Ich steh am Grab,
der Stein sagt: "Claus sein Herz".

Ich fühle keinen Schmerz,
weil ich nicht hab
eine Träne.

Claus Caraut