Freitag, 4. Januar 2013

Dem Regen ein Schirm

Ein Parapluie, so groß und herrlich breit,
entworfen für des Menschen trocken Bein,
ist, aufgespannt, schier wie ein Himmel weit
und kann doch rasch ein dünnes Stöcklein sein.

Er wird in dunklen Ecken abgestellt
und zwischen Seinesgleichen eingeklemmt.
Doch ist Entfaltung das, was ihm gefällt.
Verflucht, wer Virtuositäten hemmt.

Er lässt es sich nicht nehmen, macht sich leicht
und spannt sich auf und schwingt sich in die Nacht
und schwebt so, bis den Kirchturm er erreicht,
da quält ihn ein Gedanke: Kaum gedacht,

da fährt es ihm durch das Gestänge kalt:
"Ich bin hier oben fürchterlich allein,
hab keine Sicherheit und wenig Halt...
nein, ohne Halter möchte ich nicht sein."

Im Gasthaus sucht Derselbe seinen Schutz
vor Niederschlägen, ganz jedweder Art.
Auf allen Vieren kriecht er durch den Schmutz,
die Würde war die längste Zeit bewahrt.

Da schreit er auf: "Dda bisse ja, du Scchirnn!"
Der Schirm spricht voller Überzeugung... nicht.
Wie soll der reden ohne ein Gehirn?
Der Rest ist wahr: der Typ war reichlich dicht.

Claus Caraut

Montag, 19. November 2012

Für Georg Heym († 1912)

Von Nebelschwaden sind umhüllt
die Häuser einer großen Stadt.
Ein Dämon frisst sich heute satt.
Ein Güterzug im Bahnhof brüllt.

Und wenn Giganten aus dem Meer
erheben sich in großer Zahl,
und wüten hier zum letzten Mal
auf Hufen stehend, tonnenschwer,

Dann ist, wenn bald der Tag beginnt,
hier Platz und Straße leergefegt,
ein Biest, das hat die Stadt zerlegt
und übrig ließ es nichts als Wind.

Claus Caraut

Montag, 12. November 2012

Biernot, die

Mein Bruder schrieb mich neulich an:
"Kein Bier im Haus, Herr Carautmann!"
"Perdauz!", war meine Antwort schlicht,
"warum schaust du im Keller nicht?"
Durchsuch doch das Gehäuse.

"Perdauz zurück, mein Herr Caraut!
Denkst du, da hätt ich nicht geschaut?
Da liegt ne leere Flasche Wein,
ein Kinderstuhl und obendrein
Zwei Plastiknikoläuse."

              Zuerst
                        hab ich
                                    mir noch
                                                  gedacht:
                                      das wär
                       doch echt
           mehr als
gelacht,
            wenn ich
                          den Kas-
                                        ten Bier
                                                    nicht fänd.
                                        und bin
                           gleich in
             den Kel-
 ler grennt.
Doch: Mäuse, nichts als Mäuse.

Claus Caraut

Samstag, 15. September 2012

Die traurige Ballade vom Schatz im Acker (Mt 13,44)

Die Story fängt wie viele an:
Es war einmal ein Wandersmann,
dem war ein bisschen fad.
"Wenns hundert Meter weiter geht
und stets kein Hofbräuhaus dort steht,
verlass ich diesen Pfad."

So lief der brave Wandrersgsell
und seine Schritte wurden schnell,
er sah ein Wirtshaus stehn.
Da kürzte er die Strecke ab
und wirbelte den Wanderstab,
da hat ers übersehn:

Ein Ding stand aus dem Feld hervor,
Kein Kasten war es und kein Rohr.
Es war eher ne Box.
Da schlägt er hin und blutet sehr,
doch schlechte Laune ist nicht mehr:
"Potzblitz! Hinschlagen rocks!

Wenn ich jetzt einen Schlüssel hätt,
die Schmerzen machte es mir wett."
Die Neugier war erwacht.
So kehrt er heim und denkt nicht nach,
verkauft sein Haus, samt Klo und Dach.
Und geht noch in der Nacht

zum Acker seinen Bauern hin
und kauft das Feld (mit allem drin)
und zahlt ihm Abfindung.
Und wankt zum Feld und sucht den Schatz
Doch liegt der an nem andern Platz.
Klar: Flurbereinigung!

Claus Caraut

Mittwoch, 13. Juni 2012

In 80 Tagen um die Welt in 2 Wochen

Zuerst eine Woche Sylt,
dann Russland, USA, Sylt (Mc Donald's), Spanien, fertig.

Claus Caraut

Sonntag, 10. Juni 2012

Variationen über "Die Sirenen" - Teil 1

Die Irenen

Die Eine macht den Abwasch klar,
die Andre stopft die Strümpf,
ich und die Dritte sind ein Paar.
Jetzt fehlt noch vier und fümpf.

Claus Caraut

Dienstag, 5. Juni 2012

Unter Frotteuren

Der Bus um 6 Uhr in der Früh,
der ist bis hinten voll.
Da mach ich mir doch gern die Müh'
und leiste Liebeszoll.

Und mittags lockt die U-Bahn mich,
denn die ist eng und warm.
Da wirds so richtig körperlich
meist streift mich gar ein Arm!

Bis spät zur Nacht verweil ich dann
im IC 110.
Wobei ich nur noch sitzen kann.
(Das kommt vom vielen Stehn.)

Claus Caraut