Freitag, 29. März 2019

Spießdeutsche Pretiosen #5 - Der Kloß

Oh, güldengelbe Seele vom Potack,
aus Bulwens Leib geborenes Gezier,
von Erdenäpfeln bestgeratner Erb,
Die Götter lachten und es strahlte schier
der Himmel, als Bramburo dich gebar.
Schneeweiß liegst du auf unsern Tellern hier
wie Alabaster oder Marmor gleich.

Oh, feisteste der Speisen, sieh dich an!
Gibt es ein Ding auf Koches weiter Flur,
das Rundungen so reizvoll hat wie du?
Wie Meißners Porzellan, so schön und pur
liegst du wie Aphrodite in der Schal.
Noch nicht wie sie, oh unschenante Hur,
gehst schwanger du, mit Brot in deinem Leib.
Wir blicken deine Rundung an und nur

der Anstand hält uns fern, dass gierig wir
dich händisch in den Schlund uns stopfen rein.
Derweil saust uns das Blut aus Kopf und Hirn
und kindlich-reine Freude ins Gebein.
Du brandest unsre darbend Kehlen an,
die Lippen kräuseln sanft sich um das Dein.
Die Zunge, sorgenschwer benetzt dich gut,
der Zahn dringt ohn Erbarmen in dich ein
der eisge Speichel netzt dein weißes Fleisch.
Die Speiseröhr, die derbe, drückt dich klein.
Du wartest bis man Zutritt dir gewährt,
gemessnen Schrittes gehst du alls hinein.

Der Magen schließlich haucht dein Leben aus.
Du lässt es tapfer, ohne Kummer, zu
und schenkst dich her, du selbstlos nobler Schmaus.
Dein Opferwill bald größer als sichs ziemt:
"Oh, Heiland!", rief so mancher schwärmend aus,
weil Leben und Erquickung du ihm gabst.

Augapf der Götter, schön bist du und gut.
Du schützest uns vor Pommesfritzens Harm.
Schon Omas von gebrechlichstem Gebein,
dich bargen unter ihrem weichen Arm.
Wes Vater mahnte nicht vor Schmerz durch Reis?
Wes Mutter schlug bei Nudeln nicht Alarm?
Oh, Kloß, du lieber, sakrosankter Glob,
Wir danken dir.
Vom Teller bis zum Darm.

Klaus Gradaus

Sonntag, 13. November 2016

Heidnarösleina

Sah ein Knab ein Röslein stehna,
Röslein auf der Heidna,
War so jung und morgenschöna,
Lief er schnell, es nah zu sehna,
Sah's mit vielna Freudna.
Röslein, Röslein, Rösleina,
Röslein auf der Heidna.

Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heidna!
Röslein sprach: Ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leidna.
Röslein, Röslein, Rösleina,
Röslein auf der Heidna.

Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heidna;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihr doch kein Weh und Ach,
Mußt' es eben leidna.
Röslein, Röslein, Rösleina,
Röslein auf der Heidna.

Claus Caraut

Mittwoch, 10. Februar 2016

Nachterers Wandlied

Ist Ruh
Über allen Gipfeln,
Spürst du
In allen Wipfeln
Einen Hauch nie.
Im Waldelein schweigen die Vögel,
wart nur, du Flegel
Bist auch gleich hie.

Claus Caraut

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Winterdicht

Winter, heb dein braunes Röckchen,
lass uns in dein Haus hinein,
alle Kinder tragen Söckchen
darum siehts hier aus wie Schwein.

Matsche matsche, lieber Winter,
so ham wir dich richtig gern
Schaut, der Matschmann, lieber Kinter!
Weihnachten ist nicht mehr fern.

Aus den Wolken hört man fallen
leise eine Emission.
Engelschöre tuhen schallen
"Läst Quizmäs ei gäiv ju mei Hart."

Nach den Tagen bleibt der Regen,
ungefähr bis März hinein,
denn dann kommt der weiße Segen,
sperrt uns in die Stube ein.

Claus Caraut

Montag, 6. Juli 2015

Und jetzt alle!!!11 [Werbeblock]

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten,
Nach Pankow war sein Ziel;
Da verlor er seinen Jüngsten
Janz plötzlich im Jewühl;
’Ne volle halbe Stunde
Hat er nach ihm jespürt.
Aber Waschmaschinen leben länger mit Calgon.

Dienstag, 12. Mai 2015

Sommerdicht


Wenn der Frühling dann vorbei und
Herbst noch nicht am Dasein ist,
ist nicht Heinz da und nicht Raimund.
Sommer steht dann in der Frist.

Alle dann ins Freibad rennen
cremen sich die Ohren ein.
Weil sie keine Sorgen kennen
tun sie eben fröhlich sein.

"Heissa!" schrein dann alle Kinder
"Heissa!" ruft der Kommissär
"Heissa!" sagt der Kabelbinder
aber heissa gehts nicht mehr.

In dem Wasser alle stecken.
Später gehn sie wieder raus.
Nur der Meister sitzt am Becken-
rand und trinkt die Reste aus.

Claus Caraut

Mittwoch, 4. Februar 2015

Herbstdicht

Kaum ist dieser Sommer hindern
Berg, kommt schon der Herbst heran-
gécruist auf sein zwölf Zylindern
und dann fängt der Ärger an:

Wenn der Herbst ist, falln die Blätter,
fallen in die Wirtschaft ein.
Alle Maden werden fetter
und wolln doch nur Mädchen sein.

In den Wiesen Hasen sitzen,
denken so darüber nach,
warten auf die Geistesblitzen
wünschen sich aufs Kopf ein Dach.

Und sie sitzen guter Dhinge
und nach einundzwanzig Bie
rhat der Herbst sich auch dorthinge-
setzt und trinkt noch mehr als die.

Claus Caraut