Donnerstag, 27. Juni 2013

Unterwegs (bilingual)

I'm on a Reise,
my Airplane fliegs leise,
my Nachbar schnarchs laut,
my Stewardess schaut.

I'm in my Auto,
my Radio spiels lauto,
my Reifen rolls leis,
my Kaffee schmecks nice.

I'm riding Mofa,
my seat is kei Sofa,
my helmet ist putt,
my Straße is Schutt.

Heut I'm nur Jogging,
my iPod ist rocking,
my Dachshund joggs mit,
my Fuß steigs in shit.

Claus Caraut

Sonntag, 12. Mai 2013

Die berechtigte Skepsis bezüglich ruraler Unterhaltungsmechanismen am Beispiel des Weinfests in Nordheim (Bayern)

In Ostheim geht die Sonne auf,
in Südheim nimmt sie ihren Lauf,
in Westheim wird sie untergehn,
in Nordheim ist sie nie zu sehn.

Claus Caraut

P.S.: ich sitz hier und wein feste.

Mittwoch, 10. April 2013

Die zehn Gebote (C. B. DeMille, 1956)

Als Moses, also Charlton Heston, das sah:
'nen Dornbusch in Flammen, der mit Haut und Haar,
und in VistaVision kein bisschen verging,
nein, vielmehr sogleich noch zu sprechen anfing,

da dacht' Charlton Heston: "Potzblitz und Potzdaus!
Da kommt ja ein göttliches Stimmchen heraus.
Spricht in reinstem Englisch von Ethik und Lehr
Yul Brynner würd schauen, wenn Ramses hier wär.“

Verdattert schrieb Moses mit, was er verstand,
er hatte ja Hammer und Meißel zur Hand.
Am Schluss sprach Herr Heston „Shalom!“ und „Goodbye!“
Und hatte dann Drehschluss bis viertel nach Drei.

Claus Caraut

Freitag, 4. Januar 2013

Dem Regen ein Schirm

Ein Parapluie, so groß und herrlich breit,
entworfen für des Menschen trocken Bein,
ist, aufgespannt, schier wie ein Himmel weit
und kann doch rasch ein dünnes Stöcklein sein.

Er wird in dunklen Ecken abgestellt
und zwischen Seinesgleichen eingeklemmt.
Doch ist Entfaltung das, was ihm gefällt.
Verflucht, wer Virtuositäten hemmt.

Er lässt es sich nicht nehmen, macht sich leicht
und spannt sich auf und schwingt sich in die Nacht
und schwebt so, bis den Kirchturm er erreicht,
da quält ihn ein Gedanke: Kaum gedacht,

da fährt es ihm durch das Gestänge kalt:
"Ich bin hier oben fürchterlich allein,
hab keine Sicherheit und wenig Halt...
nein, ohne Halter möchte ich nicht sein."

Im Gasthaus sucht Derselbe seinen Schutz
vor Niederschlägen, ganz jedweder Art.
Auf allen Vieren kriecht er durch den Schmutz,
die Würde war die längste Zeit bewahrt.

Da schreit er auf: "Dda bisse ja, du Scchirnn!"
Der Schirm spricht voller Überzeugung... nicht.
Wie soll der reden ohne ein Gehirn?
Der Rest ist wahr: der Typ war reichlich dicht.

Claus Caraut

Montag, 19. November 2012

Für Georg Heym († 1912)

Von Nebelschwaden sind umhüllt
die Häuser einer großen Stadt.
Ein Dämon frisst sich heute satt.
Ein Güterzug im Bahnhof brüllt.

Und wenn Giganten aus dem Meer
erheben sich in großer Zahl,
und wüten hier zum letzten Mal
auf Hufen stehend, tonnenschwer,

Dann ist, wenn bald der Tag beginnt,
hier Platz und Straße leergefegt,
ein Biest, das hat die Stadt zerlegt
und übrig ließ es nichts als Wind.

Claus Caraut

Montag, 12. November 2012

Biernot, die

Mein Bruder schrieb mich neulich an:
"Kein Bier im Haus, Herr Carautmann!"
"Perdauz!", war meine Antwort schlicht,
"warum schaust du im Keller nicht?"
Durchsuch doch das Gehäuse.

"Perdauz zurück, mein Herr Caraut!
Denkst du, da hätt ich nicht geschaut?
Da liegt ne leere Flasche Wein,
ein Kinderstuhl und obendrein
Zwei Plastiknikoläuse."

              Zuerst
                        hab ich
                                    mir noch
                                                  gedacht:
                                      das wär
                       doch echt
           mehr als
gelacht,
            wenn ich
                          den Kas-
                                        ten Bier
                                                    nicht fänd.
                                        und bin
                           gleich in
             den Kel-
 ler grennt.
Doch: Mäuse, nichts als Mäuse.

Claus Caraut

Samstag, 15. September 2012

Die traurige Ballade vom Schatz im Acker (Mt 13,44)

Die Story fängt wie viele an:
Es war einmal ein Wandersmann,
dem war ein bisschen fad.
"Wenns hundert Meter weiter geht
und stets kein Hofbräuhaus dort steht,
verlass ich diesen Pfad."

So lief der brave Wandrersgsell
und seine Schritte wurden schnell,
er sah ein Wirtshaus stehn.
Da kürzte er die Strecke ab
und wirbelte den Wanderstab,
da hat ers übersehn:

Ein Ding stand aus dem Feld hervor,
Kein Kasten war es und kein Rohr.
Es war eher ne Box.
Da schlägt er hin und blutet sehr,
doch schlechte Laune ist nicht mehr:
"Potzblitz! Hinschlagen rocks!

Wenn ich jetzt einen Schlüssel hätt,
die Schmerzen machte es mir wett."
Die Neugier war erwacht.
So kehrt er heim und denkt nicht nach,
verkauft sein Haus, samt Klo und Dach.
Und geht noch in der Nacht

zum Acker seinen Bauern hin
und kauft das Feld (mit allem drin)
und zahlt ihm Abfindung.
Und wankt zum Feld und sucht den Schatz
Doch liegt der an nem andern Platz.
Klar: Flurbereinigung!

Claus Caraut