Dienstag, 12. Mai 2015

Sommerdicht


Wenn der Frühling dann vorbei und
Herbst noch nicht am Dasein ist,
ist nicht Heinz da und nicht Raimund.
Sommer steht dann in der Frist.

Alle dann ins Freibad rennen
cremen sich die Ohren ein.
Weil sie keine Sorgen kennen
tun sie eben fröhlich sein.

"Heissa!" schrein dann alle Kinder
"Heissa!" ruft der Kommissär
"Heissa!" sagt der Kabelbinder
aber heissa gehts nicht mehr.

In dem Wasser alle stecken.
Später gehn sie wieder raus.
Nur der Meister sitzt am Becken-
rand und trinkt die Reste aus.

Claus Caraut

Mittwoch, 4. Februar 2015

Herbstdicht

Kaum ist dieser Sommer hindern
Berg, kommt schon der Herbst heran-
gécruist auf sein zwölf Zylindern
und dann fängt der Ärger an:

Wenn der Herbst ist, falln die Blätter,
fallen in die Wirtschaft ein.
Alle Maden werden fetter
und wolln doch nur Mädchen sein.

In den Wiesen Hasen sitzen,
denken so darüber nach,
warten auf die Geistesblitzen
wünschen sich aufs Kopf ein Dach.

Und sie sitzen guter Dhinge
und nach einundzwanzig Bie
rhat der Herbst sich auch dorthinge-
setzt und trinkt noch mehr als die.

Claus Caraut

Dienstag, 20. Januar 2015

Spießdeutsche Pretiosen #1 - Lied an die Leimfliegenfalle

Du Todesleimgespinst, wie filigran,
hängst du doch an der Küchendecke dran.
Als Pendel des Verderbens und der Qual,
dem flatternden Gefleuche ein Fanal,
drehst Du Dich in des Fensters engen Spalts
und wer Dich kennt, der weiß: schon bald verhallt's,
der freudig schwirrend Mücken heitres Spiel.
Den argen Kleister intressiert nicht viel,
nicht Fliege oder Wespe oder Gnu,
ein Jedes führt er seinem Schöpfer zu
bis eine Fibonacci-Locke hängt,
ganz dicht an dicht mit Opfern vollgedrängt.
Vereinzelt zucken Beine von Getier.
Vivat! Oh Klebedings, wir danken Dir!

Claus Caraut

Montag, 8. Dezember 2014

Überfahrnetierelied (ohne Melodie)

Jetzt im Frühling, wenn die Luft so
feucht und lau und seltsam phospho-
riszierend ist und ich lenke
dann mein Auto und ich denke,

blickend durch das Luftgeflirre
voll von Fliegen: "Bin ich irre?"
Manchmal kann man es schon riechen,
dieses Kriechen, dieses Siechen

Und im Vorbeifahrn, da verdrück ich eine Träne.
Überfahrene Tiere sind meine Domäne.

Auch im Sommer ist es herrlich
ab und zu, doch eher spärlich,
sieht man tote Dachse liegen
und ein zweites Fell ankriegen.

Füchse, Rehe, Hasen, Igel
sehn so friedlich aus im Spiegel
Igel, Hasen, Rehe, Füchse
fahre ich in tausend Stüchse.

Und im Vorbeifahrn, da verdrück ich eine Träne.
Überfahrene Tiere sind meine Domäne.

Immer wieder gibt es Tage
da gibts eine Marderplage
So viel Mar-, wie soll ich sagen,
-der kann man doch nicht erschlagen.

Manchmal seh ich lebende Biber
aber tote sind mir lieber,
denn die lebenden fälln vor allem
Bäume, die aufs Auto fallem.

Und im Vorbeifahrn, da verdrück ich eine Träne.
Überfahrene Tiere sind meine Domäne.

James O'Hara

Dienstag, 7. Oktober 2014

Als er dereinst die Dolomiten besichtigte

Auf unsrer Erden Pfade
ich dereinst mich begabe,
den Kompass fest im Auge
und in der Hand den Stabe,
im Herzen Gottes Gnade.

Nach kurzer Strecke deuchte
der Berg wie ein Gesichte.
Bald hatt ich mich besonne:
wer wär es, wenn Gott nichte,
der derart gülden leuchte?

Am Gipfel ich verharre
und sende meine Blicke
gen Süden und der Ferne
und unerhofftem Glücke.
BÄM: da verreckt die Karre.

Claus Caraut

Samstag, 4. Oktober 2014

Der David vom Michelangelo (für Matthias)

Herr David steht im schönen
Museum zu Florenze.
Er steht und wird nicht kleiner
und oft hört man es tönen:
„Der schönste aller Schwänze,
das ist dem David seiner!“

Das reinste Glied von allen
ziert seine weiße Mitte.
Es baumelt und es schaukelt
und drohet gar zu fallen.
(Doch hängt hinter dem Schritte
noch Marmor, drum: ergaukelt.)

Claus Caraut 

Montag, 22. September 2014

Vier Zeiler

Was vornedran ein Rüssel hat
und außenrum noch Stacheldraht
und aufbegehrt und trötet schräg
das ist das Elefantgehäg.

Wenn man sich selbst ein rubbeln mag
und sonst nix tut, den ganzen Tag,
und nachher schwitzt am ganzen Leib
das ist ein schöner Zeitvertreib.

Wo man "Woman" auf Türen malt,
und vorndran 50 Pfennig zahlt,
man "Mann" auch einfach lässt nicht rein,
da muss das Weiber-Scheißhaus sein.

Wenn einer in der Gosse lebt
und mit sein Arsch am Pflaster klebt
und sich darüber kaum beschwert,
das ist ein Asbach Uralt wert.

Claus Caraut