Mittwoch, 18. Dezember 2019

Schönes Schlaflied (für Katharina)

Schlaf gut, die Nacht ist schon da
der Kaugummimann kommt gleich
und macht dir Kaugummis ins Haar.

Die Eule sitzt am Fenster, ihre Augen sind verklebt
dass dieser Psycho auch immer noch in unsrer Nachbarschaft lebt
ist gefährlich und das muss man unterbinden.

Wenn der Tag vorbei und die Nacht noch nich is,
dann sitz ich hier und ich sing für dich bis
die Mama kommt und sie sagt zu mir:
"Jetzt lass das Kind in Ruhe schlafen,
das wird es ja wohl schaffen.
Geh nach Haus und trink lieber dort dein Bier."

Er heißt Günther und sieht aus wie vierundachtzig,
aber eigentlich ist er erst achtundvierzig.
Mit sechzehn hat er seine Leidenschaft entdeckt.

Seitdem ist er jede Nacht unterwegs,
tagsüber wird gekaut, nachtsüber wird geklebt.
Die Kaugummis gehn nie wieder raus. Schlaf jetzt, kleine Maus.

Wenn der Tag vorbei und die Nacht noch nich is,
dann sitz ich hier und ich sing für dich bis
die Mama kommt und sie sagt zu mir:
"Jetzt lass das Kind in Ruhe schlafen,
das wird es ja wohl schaffen,
willst du, dass der Günther dich sieht,
 dann bringt er keine Kaugummis mehr,
weißt du eigentlich, wie lang ich gewartet hab,
um auf die Liste vom Kaugummimann zu kommen?
Oh, ich glaub, das war er. Toll, danke, Onkel Claus."


Dienstag, 3. Dezember 2019

Weihnachtsmanngedicht

Heute kommt der Weihnachtsmann,
Tritt herein und klopft nicht an.
Kommt mit seinen Gaben,
Will Likörchen haben.

Furzt und rülpst nach Rentierbrauch
Schlägt sich Plätzchen in den Bauch.
Hat den Ruprecht ganz vergessen,
Muss die Plätzchen selber fressen.

„Liebe Kinder, hicks, ihr Blagen,
Hört, ihr Schratzen, lasst euch sagen:
Heut ist große Freud zugegen.
Steht mal auf, ich muss mich legen.“

Lässt sich noch bis Neujahr füttern,
zieht dann fort zu andren Müttern.
Macht sich nichts aus dem Protest.
Liebe Leute: frohes Fest!

Freitag, 29. März 2019

Spießdeutsche Pretiosen #4 - Das Bier

Du köstliches Gepansch, oh, Gerstendunst,
Hältst fern von uns Verderben, Not und Pein.
Stehst gülden-braun im Glas, wie hingebrunst.
Du höchstes Gut der Welt und Sonnenschein.

Du prickelst, sprudelst, knallst wie ein Vulkan
Schmeckst herrlich auch zu Schnaps und Zigarett
Und brandest unsre kargen Kehlen an.
Du machst uns hunderttausend Sorgen wett.

Ergebenster Gefährt in bittrer Not
Und ewig unser allerbester Freund,
Wenn Finsternis ihn zu ersticken droht,
Hat jedermann noch stets von dir geträumt.

Wie Bernstein schmückst du unsres Tresens Kron.
Du funkelst wie der allerbraunste Stern.
Machst uns zu Helden, hebst uns auf den Thron.
Zefix, du Bierschatz, wir haben dich gern.

Was wärn wir ohne den umarmend Trost,
Den täglich du uns offenherzig leihst?
Weil du uns unsre Blödigkeit verzeihst,
Drum, Bier, auf dich, auf Ewigkeiten: Prost.

Klaus Gradaus

Spießdeutsche Pretiosen #2 - Ode an den Gartenzwerg (lang und kurz)

Lang:

Oh, der du da den Garten uns behütest,
Magnolien, die Gurken und den Kohl.
Wie häufig hat Frau Mieze hier geschmutzt,
die schauerliche Wachtel gar gebrütet
und dennoch hältst du Wache, brav und wohl
von dir wird jeglicher Gefahr getrutzt.
Am Rande der Rabatten ist dein Hafen,
mit klarem Aug und apfelroten Backen
bewachst du alle Früchte, wenn sie schlafen.
Für Bohnen und für hilflose Tomaten
den Kürbis gar, die adipöse Beer,
setzt du dich ein mit blutdürstigem Spaten.
Wie häufig kam Herr Teckel her, zu kacken
und ohrenwehend floh davon nunmehr?
Du hältst den Buckel hin für Rübe oder Blüte.
Als treuster deiner Freunde liegt voll Schwere
dein Bart, der deinen Wanst so sanft umdeckt
wie tausend wollne Decken bester Güte.
Hast Krieg getrotzt und Nachbars giftger Schere,
die alle Tage mordlustig er streckt.
Das Rot von reifen Kirschen schmückts Barett,
trotzt Regenwetter, Hunden oder Bären
und ist wie durch ein Wunder noch komplett.
Wenn, abgestraft vom Chefe heim wir kehren
und sehnen die Geborgenheit, die warme,
stehst freilich wieder du vor unsrer Tür.
Dann schließt du uns in deine kalten Arme
und küsst uns auf die Stirn, werweißwofür.
Stehst auch noch hundertzwanzig Jahre hier.
Oh, lieber Gartenzwerg, wir danken dir!

Klaus Gradaus


Kurz:


Ein Männlein steht vor meines Hauses Flor,
es trägt ein Mützlein, ganz aus rotem Gips,
es schwingt sein Säckchen, was wohl hat es vor?
Ich denk, es will mich töten mit 1 Schnips.

Klaus Gradaus

Spießdeutsche Pretiosen #5 - Der Kloß

Oh, güldengelbe Seele vom Potack,
aus Bulwens Leib geborenes Gezier,
von Erdenäpfeln bestgeratner Erb,
Die Götter lachten und es strahlte schier
der Himmel, als Bramburo dich gebar.
Schneeweiß liegst du auf unsern Tellern hier
wie Alabaster oder Marmor gleich.

Oh, feisteste der Speisen, sieh dich an!
Gibt es ein Ding auf Koches weiter Flur,
das Rundungen so reizvoll hat wie du?
Wie Meißners Porzellan, so schön und pur
liegst du wie Aphrodite in der Schal.
Noch nicht wie sie, oh unschenante Hur,
gehst schwanger du, mit Brot in deinem Leib.
Wir blicken deine Rundung an und nur

der Anstand hält uns fern, dass gierig wir
dich händisch in den Schlund uns stopfen rein.
Derweil saust uns das Blut aus Kopf und Hirn
und kindlich-reine Freude ins Gebein.
Du brandest unsre darbend Kehlen an,
die Lippen kräuseln sanft sich um das Dein.
Die Zunge, sorgenschwer benetzt dich gut,
der Zahn dringt ohn Erbarmen in dich ein
der eisge Speichel netzt dein weißes Fleisch.
Die Speiseröhr, die derbe, drückt dich klein.
Du wartest bis man Zutritt dir gewährt,
gemessnen Schrittes gehst du alls hinein.

Der Magen schließlich haucht dein Leben aus.
Du lässt es tapfer, ohne Kummer, zu
und schenkst dich her, du selbstlos nobler Schmaus.
Dein Opferwill bald größer als sichs ziemt:
"Oh, Heiland!", rief so mancher schwärmend aus,
weil Leben und Erquickung du ihm gabst.

Augapf der Götter, schön bist du und gut.
Du schützest uns vor Pommesfritzens Harm.
Schon Omas von gebrechlichstem Gebein,
dich bargen unter ihrem weichen Arm.
Wes Vater mahnte nicht vor Schmerz durch Reis?
Wes Mutter schlug bei Nudeln nicht Alarm?
Oh, Kloß, du lieber, sakrosankter Glob,
Wir danken dir.
Vom Teller bis zum Darm.

Klaus Gradaus

Sonntag, 13. November 2016

Heidnarösleina

Sah ein Knab ein Röslein stehna,
Röslein auf der Heidna,
War so jung und morgenschöna,
Lief er schnell, es nah zu sehna,
Sah's mit vielna Freudna.
Röslein, Röslein, Rösleina,
Röslein auf der Heidna.

Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heidna!
Röslein sprach: Ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leidna.
Röslein, Röslein, Rösleina,
Röslein auf der Heidna.

Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heidna;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihr doch kein Weh und Ach,
Mußt' es eben leidna.
Röslein, Röslein, Rösleina,
Röslein auf der Heidna.

Claus Caraut

Mittwoch, 1. Juni 2016

Was ich dir wünsche

Vom Apfel die Kerne,
vom Schauer die Sterne,
vom Essen die Reste,
fürs Konto das Beste.

Claus Caraut